LRS – Förderung

Was bedeutet konkret LRS? Definitionen….

Die Lese-Rechtschreibstörung wird als eine Teilleistungsstörung verstanden, die außerhalb der allgemeinen Leistungsfähigkeit isoliert Auswirkungen auf den Erwerb der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten hat. Die Intelligenz der betroffenen Kinder ist in der Regel normal bis überdurchschnittlich, während die Lese-Rechtschreibfertigkeit (weit) unter dem Durchschnitt liegt.

http://www.lrs-therapie.de/lrs-info.htm , Stand 30.06.2009

 

Legasthenie heißt wörtlich „Leseschwäche“. Da aber viele Kinder ihre Lesebücher auswendig können, fällt ihr Unvermögen zu lesen oft lange Zeit nicht auf.Von Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Legasthenie sprechen wir, wenn ein Kind das Lesen oder Schreiben in der dafür vorgesehenen Zeit nicht oder nur sehr unzureichend erlernt hat. Oft ist in diesem Fall auch das allgemeine Verhalten auffällig: Resignation, Aggressivität, Schulangst u.ä.

Der Begriff „Legasthenie“ als Synonym für Leseschwäche wurde erstmals von Paul Ranschburg (1916) eingeführt. An schwerer Legasthenie leiden 3–4 Prozent der Menschen. Sie ist bei Jungen häufiger als bei Mädchen (je nach Studie bis zu dreifach häufiger). Legasthenie ist als »umschriebene Entwicklungsstörung des Lesens und Schreibens« definiert. Das bedeutet, dass biologische Ursachen das Erlernen von Funktionen beeinträchtigen oder verzögern, die mit der Reifung des zentralen Nervensystems verbunden sind. Legastheniker brauchen ein spezielles Training, das ihre jeweiligen Teilleistungsschwächen berücksichtigt, damit ihr Bildungsanspruch auf eine Schullaufbahn, die ihren intellektuellen Fähigkeiten entspricht, nicht gefährdet ist. Legasthenie ist nicht heilbar. Aber mit gezielter Förderung lassen sich die Defizite oft gut kompensieren. Zu unterscheiden ist eine Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie, Dyslexie) mit teilweise hirnorganisch bedingten, gravierenden Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen von einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS), die in mehr oder minder starker Ausprägung eine Verzögerung im individuellen Lese- und Schreiblernprozess darstellt. Zu unterscheiden sind zusätzlich Erscheinungsformen der Lese- und Rechtschreibschwäche bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie)
Legasthenie ist eine Störung des Lesens und Rechtschreibens, die entwicklungsbiologisch und zentralnervös begründet ist. Die Lernstörung besteht trotz normaler oder auch überdurchschnittlicher Intelligenz und trotz normaler familiärer und schulischer Lernanregungen. Die Beeinträchtigung oder Verzögerung beim Erlernen grundlegender Funktionen, die mit der Reifung des zentralen Nervensystems verbunden ist, hat demnach biologische Ursachen, deren Entwicklung lange vor der Geburt des Kindes angelegt oder durch eine Schädigung im zeitlichen Umkreis der Geburt bedingt ist. Legasthenie ist eine nur schwer therapierbare Krankheit, die zu teilweise erheblichen Störungen bei der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache führt. Individuelle Ausprägungen und Schweregrade dieser Lernschwierigkeit ergeben sich durch unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik und der sensorischen Integration. Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS). Im Gegensatz zur anhaltenden Lese- und Rechtschreibstörung können Schüler ein vorübergehendes legasthenes Erscheinungsbild aufweisen, das auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Ursache dafür kann z.B. eine Erkrankung, eine besondere seelische Belastung oder ein Schulwechsel sein. Rund 7 bis 10 % aller Schüler im Einschulungsalter haben Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens.
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Lese- und Rechtschreibschwächen im Rahmen einer allgemeinen Minderbegabung treten bei Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf, die aber nicht so schwach begabt sind, dass sie eine Schule zur individuellen Lernförderung besuchen müssten. Diese Schüler haben jedoch in allen Bereichen schulischen Lernens und Arbeitens teilweise erhebliche Schwierigkeiten, die über die gesamte Schulzeit anhalten. 40 Prozent der Legastheniker leiden zusätzlich unter einer Dyskalkulie (Rechenschwäche). Gedächtnisdefizite, raumanalytische Schwierigkeiten, auditiv-sprachliche Schwierigkeiten und Konzentrationsstörungen spielen bei beiden Störungen eine Rolle. Unter einer Dyskalkulie versteht eine Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist.

Leseschwäche als Hirnfunktionsstörung

Nicht nur die Tatsache, dass die Leseschwäche auf eine Hirnsstoffwechselstörung zurückgeht, lässt sich inzwischen zuverlässig bildlich darstellen, auch die Normalisierung dieser Hirnfunktionsstörung konnten Forscher jetzt bei Kindern, die sich einem Trainingsprogramm unterzogen, nachweisen.

Ein wesentlicher neuer Forschungszweig der Neuropsychologie bedient sich der funktionellen Bildgebung. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET-) und der funktionellen Kernspintomographie ist es möglich, funktionelle Abläufe im Gehirn sichtbar zu machen. Die Hirnfunktionen während einer Wahrnehmung oder einer Aktivität werden damit darstellbar.  Regeneration nach diffusen oder umschriebenen Hirnschädigungen wird damit auch in Bildern des Gehirns sichtbar, mit Auswirkungen auf die Therapieplanung. Die Plastizitätsforschung stellt damit die Behandlung von Schlaganfällen oder Schädelhirntraumen auf eine neue Grundlage. Möglich wird durch das Verfahren auch eine bildliche Darstellung von Veränderungen bei Schizophrenie, Depressionen und anderen affektiven Störungen, eine Früherkennung von Demenzen lange bevor sie ausbrechen. Darstellen lässt sich damit auch das Craving bei Süchtigen, so lässt sich eine relativ zuverlässige Prognose hinsichtlich seiner Abstinenz sichern.

Die Leseschwäche ist eine Hirnfunktionsstörung und zeigt sich mit vermehrten Schwierigkeiten das Lesen zu erlernen. Verarbeitungsschwierigkeiten für Gehörte konnten schon vor Jahren in  funktionellen Kernspinbildern bei Betroffenen Kindern wie Erwachsenen nachgewiesen werden. In einer aktuellen Studie mit 20 betroffenen Kindern zeigte sich, dass die Hirnfunktionsstörungen sich durch ein Trainingsprogramm genauso besserten, wie die Fähigkeit zu lesen sich normalisierte. Es stellte sich dabei nur teilweise eine identische Verteilung des Hirnsstoffwechsel beim Lesen wie bei nicht betroffenen Kindern ein. Zum Teil aktivierten die Kinder auch andere Hirnregionen kompensatorisch mit. Im Wesentlichen näherten sich die Bilder in der funktionellen Kernspintomographie aber denen gesunder Kinder an. Übung mit einem speziellen Programm führte bei diesen Kindern zu einer eindeutigen vermehrten Aktivierung der Hirnrinde des linken Schläfen- und Scheitellappens sowie der linken unteren Windung des Vorderlappens; in diesen Hirnregionen näherte sich der Stoffwechsel damit dem gesunder Kinder an. Zusätzlich aktivierten sie in der rechten Gehirnhälfte den Schläfenlappen und Vorderlappen kompensatorisch. Insgesamt bleibt aber Übung, orientiert an den Defiziten, die Methode der Wahl um die Defizite zu verbessern. Im Gegensatz zur Popularität der Förderung von basalen Wahrnehmungsfunktionen bei der Lese-Rechtschreib-Störung ist die Wirksamkeit dieser Methoden kaum untersucht und die bisher vorliegenden Untersuchungen zeigen keine Wirksamkeit. Daher sollte die Förderung bei der Legasthenie, wie bereits dargestellt, auf die symptomorientierten Verfahren aufbauen, die sich an dem Schriftspracherwerbsmodell orientieren. Hierzu liegen international Wirksamkeitsstudien vor“  Remschmidt, et al.

Die Studie zeigt erneut, dass Leserechtschreibschwächen auf Hirnfunktionsstörungen zurückgehen und damit Gehirnfunktionsstörungen entsprechen. Sie zeigt auch, dass eine Hirnfunktionsstörung kein dauerhaftes Schicksaal bleiben muss. Übung bessert auch die gestörte Funktion. Die Verarbeitung des Gehörten normalisiert sich. Auch in anderen Bereichen von Leistungsstörungen oder Verhaltensstörungen werden funktionellen Kernspintomographien langfristig eine Therapiekontrolle ermöglichen. Damit werden sich nicht nur Behandlungsverfahren an sich auf ihre Wirksamkeit überprüfen lassen, auch Verlaufsuntersuchungen beispielsweise bei Straftätern sind denkbar. Wichtiger ist aber vielleicht, dass durch die Möglichkeit der Darstellung der Funktionsstörungen weit verbreitete Vorurteile über viele psychische Störungen mehr in den Hintergrund treten werden.

Karl C. Mayer, Facharzt für Neurologie, Quelle: http://www.neuro24.de/lrs.htm, Stand 18.04.2009

Konzept des LRS-Förderprogrammsc in der Realschule Bad Münstereifel

•    LRS-Bescheinigung

Für jeden Doppeljahrgang (5/6, 7/8, 9/10) ist eine aktuelle Bescheinigung notwendig.

Die Rechtschreibung wird nicht bewertet, sofern die Schüler bei uns in der Schule oder aber extern an einer individuellen LRS-Förderung teilnehmen.

•…Umgang mit sprachlichen Fehlern: Nur die Rechtschreibleistungen werden nicht in
die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten und Übungen im Fach Deutsch oder in
einem anderen Fach miteinbezogen. (Grammatik-, Zeichensetzungs-, Ausdruck-,
Satzbaufehler u.a. werden hingegen berücksichtigt.) (Großschreibung gilt als
grammatisches Problem.)

*     Ab Klasse 7 gilt eine Nichtbewertung der Rechtschreibung nur in besonders
begründeten Ausnahmefällen.

•     Nachteilsausgleich (in Deutsch bzw. Fremdsprachen):

o   eine andere Aufgabe wird gestellt

o   ein größerer Zeitrahmen wird eingeräumt

o   fehlende Benotung, stattdessen Bemerkung zum Aufzeigen des Lernstands

•     Nachteilsausgleich dokumentieren und Förderplan entwickeln.

•      Diagnose in Klasse 5 zu Beginn des Schuljahres:

o   Einschätzungsbogen wird vom Schüler ausgefüllt, um Auskunft über emotionale,

kognitive und physiologische Verhaltensweisen zu bekommen Diagnosediktat zur Überprüfung der Fehlerhäufigkeit Modifikation zum Halbjahr (Diagnose liegt in der Verantwortung der Schule.)  Verdachtsfälle: Empfehlung, bei Fachleuten (SPZ) Untersuchung durchführen zu lassen.

Zum Schuljahresende:  Endgültige Diagnose auf Basis der Fehlerhäufigkeiten sowie des Schülerverhaltens in sozialer, emotionaler, kognitiver und physiologischer Hinsicht.

•     Schulinterne Förderung:

– Klasse 5: eine LRS-Förderstunde pro Woche (individuelle Förderung) parallel zum

regulären Deutschunterricht

– Klasse 6: ShS Deutsch

– Klassen 7-10: Angebot im Nachmittagsbereich unter Aufsicht mit LRS-

Fördermaterialien (Elternanschreiben bzgl. des Nachteilsausgleichs)

Anlage 7)

  • Die schulinterne LRS-Förderung sollte nicht nachmittags stattfinden. Pro Klasse eine Fördergruppe (6 – max. 10 Teilnehmer)
  • Dauer der schulischen Fördermaßnahme: mind. ein Schuljahr; bei vorzeitigem Abbruch bzw. bei fehlender Inanspruchnahme entfällt der Nachteilsausgleich sowie die Nichtbewertung der Rechtschreibleistung

Evaluation

Eine Evalation findet regelmäßig in der Fachschaft Deutsch statt.

Wo kann ich mich weitergehend informieren?

Literatur:

Thomé, G. (Hg.): Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) und Legasthenie – Eine grundlegende Einführung, Weinheim und Basel 2004.

Raschendorfer, N.: LRS – Legasthenie: Aus Fehlern wird man klug, Förderdiagnostik auf der Basis freier Texte, Mülheim a.d.R. 2004.

–> Zunächst definiert und kennzeichnet die Autorin den Schreib-Lernprozess, um im Anschluss die Vorteile und Grenzender Förderdiagnostik auf der Basis freier Texte aufzuzeigen. Im dritten Kapitel werden Erläuterungen zu den verschiedenen Auswertungsbereichen dargelegt; im letzten Kapitel wird dann das System der freien Texte im Unterricht und in der LRS-Förderung erläutert.

Naegele, I., Valtin, R.: LRS-Legasthenie-in den Klassen 1-10, Handbuch der Lese-Rechtschreib.Schwierigkeiten, Weinheim, Basel, Berlin 2003

* Band 1: Grundlagen und Grundsätze der Lese-Rechtschreib-Förderung

* Band 2: Schulische Förderung und außerschulische Therapien

Diagnose- und Förderinstitut im Kreis Euskirchen:

Lehrinstitut für Orthographie und Schreibtechnik, LOS, An den Kapuzinern 1, 53879 Euskirchen, Tel.: 02251 – 127277 (Stand 30.6.2009)

Diagnose- und Förderinstitut in Bonn, ILT – Institut für Legasthenie- und Lerntherapie, Stockenstraße 1-5, 53113 Bonn, Telefon: 0228-658687 – Website: www.Legasthenie-Therapie.de

Software zur Förderung (Auswahl!):

Cesar Lesen 1.0 vom CES Verlag ist als Unterstützung einer Legasthenie-Therapie für Kinder von Klasse 3 bis 10 konzipiert. Es fördert Kinder nicht nur bei LRS oder Wahrnehmungsstörungen, sondern motiviert alle Kinder von Klasse 1 bis 4, sich mit Buchstaben und Wörtern zu beschäftigen. Die klare graphische Gestaltung, bei der auf überflüssigen multimedialen Schnickschnack verzichtet wurde, ist sehr ansprechend. Die Illustrationen sind beispielhaft.
Die zwölf Lernspiele sind nach unterschiedlichen Prinzipien konzipiert. Es gibt Wettkampfspiele gegen den Computer wie Bilder- oder Buchstabenrätsel (Silbensuche, Blitzwörter, Wörtersuche, Buchstabenhonig), ein Memory, ein Reimquartett. Bei anderen Aufgaben müssen verdrehte Buchstaben in die richtige Lage gebracht und Silben zu Wörtern zusammengesetzt werden.
Die Übungen sind ohne großen zeitlichen Aufwand zu Ende zu bringen (ca. 7-10 Min). Einzelne Spiele können ausgesucht und an den jeweiligen Lernbedarf angepasst werden. Bei allen Übungen sind bis zu vier Schwierigkeitsgrade auszuwählen.
Nachteilig sind: Fehlende integrierte Lösungshilfen, viel zu lange, komplizierte gesprochene Arbeitsanleitungen, eine fehlende Druckoption und ein inhaltlicher Fehler bei der Übung „Einer fehlt“. Die Übungen sind nicht in Rahmenhandlungen eingebettet, so könnten Wörter beim Lesenlernen besser behalten werden.

Klassen 1-5:

GUT 1  des Verlages „Computer und Lernen“ ist ein Rechtschreibübungsprogramm, das die Idee einer Lernkartei für den Grundwortschatz gelungen umsetzt. 1420 Übungswörter sind vom Autor sorgfältig nach Vorkommenshäufigkeit und Rechtschreibschwierigkeit ausgewählt worden. Ein Papagei verwaltet den Wortschatz und fünf Kängurus symbolisieren fünf Fächer einer Lernkartei. Voreinstellungen ermöglichen ein gezieltes, auf die Lerngruppe/den Lernenden abgestimmtes Üben. Bei Problemen mit der Schreibweise eines Wortes kann Hilfe angefordert werden. Je nach Fehlerquote wird das geübte Wort in die verschiedenen Fächer (Kängurubeutel) abgelegt und ist somit wieder zum erneuten Schreiben abrufbar. Dadurch wird eine langfristige Speicherung der Wörter im Gedächtnis gesichert.
Die Aufmachung des Programms ist sehr ansprechend. Es gibt keine langen Animationen, die „Belohnungen“ sind motivierend. Die Kinder können selbstständig mit dem Produkt umgehen, jeder kann sein eigenes Übungspensum abspeichern.